Donnerstag, 13. März 2025

Kulturbüro stiftet Gespräch an

Die Abonnentinnen und Abonnenten des Studiotheaters im Bahnhof Fischbach erhielten in dieser Spielzeit nach jeder Vorstellung einen kleinen Zettel mit drei Impulsfragen. Die Fragen halfen dem Publikum, einen ehrlichen und subjektiven Austausch über das Aufführungs- und Veranstaltungserlebnis zu führen.
Gespräche anstiften

Erfahrungen in Theatergesprächen sehen oft so aus: Die Künstlerinnen und Künstler sitzen auf der Bühne, das Publikum probiert sich durch Fragen wie „Habe ich das richtig verstanden?“ um die eigene Interpretation bestätigen zu lassen. Oder Schülerinnen und Schüler versuchen, für eine gute Note die Interpretation der Lehrkraft zu treffen, statt ihre eigenen Erfahrungen zu formulieren. Ein produktiver Austausch oder eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der Aufführung findet dabei selten in befriedigender Form statt. 

Die Herausforderung für Städte ohne eigenes Theater und ohne Ensemble – das ist in Friedrichshafen der Fall – besteht zudem darin, dass wir größtenteils Gastspiele einladen – also Theaterensembles zu Gast haben, die nach ihrer Aufführung in Friedrichshafen in der Regel ihre Produktion auf der Bühne abbauen und nach Hause oder weiterfahren. Austausch und Begegnung zwischen dem Publikum und den Künstlerinnen und Künstlern ist da leider oft nicht möglich.

Daher erhielten die Besucherinnen und Besucher des Studiotheaters im Bahnhof Fischbach in dieser Spielzeit nach jeder Vorstellung beim Ausgang einen kleinen Zettel, auf denen drei Impulsfragen zu der gezeigten Produktion standen. Idee dahinter war, einen ehrlichen und subjektiven Austausch über das Aufführungs- und Veranstaltungserlebnis zwischen den Zuschauerinnen und Zuschauern anzustoßen…einen Austausch zwischen den Gruppen eines gemeinsamen Veranstaltungsbesuchs oder ein eigener innerer Austausch. Ausgangspunkt sollte dabei das Verhältnis des Einzelnen zum künstlerisch-ästhetischen Produkt sein: Wie habe ich die Aufführung erlebt? Jede Aufführung ist ein Ereignis, das sich für jede und jeden ganz individuell aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Wenn fünf Zuschauerinnen und Zuschauer dieselbe Aufführung sehen, haben sie fünf unterschiedliche Aufführungserfahrungen, über die sich austauschen können.

Als Gesprächsanstifter interessiert das Kulturbüro darum auch weniger die üblichen „Wie hat es gefallen?“-Bewertungen, sondern subjektive Beschreibungen und die daraus abgeleiteten Urteile. Im Fokus der Gespräche sollte da nicht die Frage nach Intentionen und Hintergedanken der Künstlerinnen und Künstler stehen, sondern die je individuelle Wirkung einer Aufführung auf die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Bei einer kleinen Evaluation am Ende der Theater-Serie hat das Kulturbüro die Abonnentinnen und Abonnenten gefragt, wie das Format der Impulsfragen in der Spielzeit bei Ihnen angekommen ist. Die teilnehmenden Besucherinnen und Besucher meldeten mittels Punkt-Abstimmung mehrheitlich zurück, dass ihnen die Impulsfragen geholfen haben, besser ins Gespräch über die Aufführung zu kommen und sich mit ihrer eigenen Wahrnehmung einer Aufführung auseinanderzusetzen.